Kurz gesagt: Wenn sich eine veraltete Website nicht mehr aktualisieren lässt, gibt es drei Wege: die Technik nachrüsten, die Seite als statische Kopie „einfrieren“ oder neu bauen.Welcher passt, hängt davon ab, wie oft sich Inhalte ändern und wie viel Zeit bis zu einer neuen Website bleibt.
Viele Websites laufen seit Jahren still vor sich hin. Sie sehen gut aus, die Inhalte stimmen, niemand fasst sie an.Unter der Oberfläche altert trotzdem etwas: das Redaktionssystem und die Programmiersprache, auf der es läuft.
Irgendwann kommt der Punkt, an dem es keine Updates mehr gibt. Das ist kein Grund zur Panik, aber einer, sich zu kümmern.Wie das in der Praxis aussieht, zeige ich an einem Auftrag aus meiner Arbeit.
Warum Websites altern: Die Technik unter der Haube
Die meisten Websites laufen mit PHP, einer Programmiersprache auf dem Server. Jede PHP-Version bekommt nur einige Jahre lang Sicherheitsupdates, danach werden bekannte Lücken nicht mehr geschlossen.Dasselbe gilt für Redaktionssysteme wie WordPress oder Joomla und für ihre Erweiterungen.Eine veraltete Website ist deshalb nicht nur eine Frage des Designs: Ohne Updates wird sie mit der Zeit unsicher.
Solange alles regelmäßig gepflegt wird, merkt man davon kaum etwas. Schwierig wird es, wenn eine Seite lange nicht angefasst wurde.Dann passt das alte System nicht mehr zur neuen PHP-Version, und ein einfaches Update reicht nicht mehr.
Ein bisschen wie bei einem älteren Auto: Es fährt noch tadellos, aber der Hersteller liefert keine Ersatzteile mehr.Man kann eine Weile improvisieren. Auf Dauer braucht es eine Entscheidung.
Der Fall: Eine Kanzlei-Website ohne Updates
Eine Steuerkanzlei hatte eine Website auf Joomla, die sich nicht mehr aktualisieren ließ. Eine bekannte Sicherheitslücke blieb damit offen.Eine neue Website war ohnehin geplant, aber nicht von heute auf morgen.
Ich habe die Seite deshalb als statische 1:1-Kopie nachgebaut: gleiches Aussehen, gleiche Inhalte, gleiche Adressen.Statisch heißt: Es sind nur noch fertige HTML-Seiten, ohne Datenbank und ohne Redaktionssystem dahinter.
Für Besucher sieht alles aus wie vorher. Auch Google findet jede Seite unter der bekannten Adresse wieder, kein Link ins Leere.Nebenbei habe ich Impressum und Datenschutzerklärung auf den aktuellen Stand gebracht. Auf vielen älteren Seiten steht dort noch ein Gesetz, das längst abgelöst wurde.
Drei Wege: Nachrüsten, einfrieren oder neu bauen
1. Nachrüsten
Oft lässt sich die bestehende Seite an eine neuere PHP-Version anpassen. Das klappt besonders bei kleineren, selbst programmierten Seiten.Bei einer anderen älteren Seite habe ich so einen Belegungskalender und die Anmeldung für die Terminverwaltung wieder zum Laufen gebracht.
Sinnvoll ist das, wenn die Seite ansonsten gut funktioniert und nur an einzelnen Stellen hakt.Bei einem großen, veralteten Redaktionssystem wird das Flicken dagegen schnell teurer als ein Neuanfang.
2. Einfrieren
Die statische Kopie ist der Weg aus dem Kanzlei-Beispiel. Um beim Auto zu bleiben: Der Motor kommt raus, das Auto steht als Ausstellungsstück im Schaufenster.Es sieht aus wie vorher, aber es gibt keine beweglichen Teile mehr, die kaputtgehen oder angegriffen werden können.
Der Haken: Inhalte lassen sich nicht mehr selbst im Redaktionsbereich ändern, und Funktionen wie Formulare brauchen eine eigene Lösung.Für eine Seite, die sich selten ändert, oder als Brücke bis zur neuen Website ist das gut vertretbar.
3. Neu bauen
Ist die Seite ohnehin in die Jahre gekommen, passt sie nicht mehr aufs Smartphone, lädt sie langsam oder fehlen wichtige Inhalte, ist ein Neubau meist der ehrlichste Weg, also ein Relaunch mit moderner Technik.Texte und Bilder der alten Seite lassen sich dabei fast immer übernehmen, und mit Weiterleitungen bleiben die alten Adressen erreichbar.
Tipp: So sehen Sie selbst, wie alt die Technik ist
Für einen ersten Eindruck brauchen Sie keine Fachkenntnisse:
- WordPress: unter „Werkzeuge“ → „Website-Zustand“ → „Bericht“, Abschnitt „Server“, steht die PHP-Version
- Andere Systeme: Im Kundenmenü Ihres Hosters ist die PHP-Version meist bei der Domain hinterlegt
- Redaktionssystem: Das System zeigt nach der Anmeldung oft selbst an, ob es Updates gibt oder nicht mehr unterstützt wird
Ob eine PHP-Version noch Sicherheitsupdates bekommt, steht auf php.net unter „Supported Versions“.
Ist sie dort nicht mehr aufgeführt, ist das kein Notfall, aber ein Termin für die nächsten Wochen.
Welcher Weg passt? 3 Fragen helfen
- Wie oft ändern sich Ihre Inhalte?
Selten: Einfrieren reicht oft. Häufig: Sie brauchen ein Redaktionssystem, also nachrüsten oder neu bauen. - Sind Sie mit der Seite noch zufrieden?
Ja: Nachrüsten lohnt sich eher. Nein: Dann ist jetzt der Moment für einen Neubau. - Wie viel Zeit bleibt?
Ist die Lücke offen und der Neubau noch Monate entfernt, schafft die statische Kopie schnell Ruhe.
Alte Technik entdeckt: Was nun?
Zuerst ein Blick auf den Ist-Stand: Welche Version läuft, was lässt sich aktualisieren, was nicht mehr.Danach ist die Entscheidung meist schnell klar, und keiner der drei Wege muss überstürzt passieren.
Damit eine Seite gar nicht erst so weit altert, hilft regelmäßige Pflege. Was dazugehört, steht im Beitrag WordPress-Wartung: Was dazugehört.Weitere Punkte zum Selbstprüfen finden Sie unter Website noch sicher? 5 Dinge, die Sie selbst prüfen können, und wer über einen Neubau nachdenkt, liest weiter bei Website erneuern: Wo fange ich an?


